Wann gewinnt man Wahlen?
Wählerprozente zeigen nur die halbe Wahrheit
Bereits ein Jahr im Voraus füllen die Nationalratswahlen 2011 die Zeitungsspalten. Natürlich wird auch über die voraussichtlichen Parteistärken spekuliert. Dabei operiert man flächendeckend nur mit den Prozentzahlen. Wer aber an den Schalthebeln einer Partei sitzt, der schaut besser die absoluten Listenzahlen an.
Die nachfolgende Grafik zeigt die Anzahl Listen mit einer Parteibezeichnung, wie sie bei den Wahlen seit 1999 in die Luzerner Urnen gelegt wurden. Diese Listenstimmen sind nur indirekt relevant, weil die Sitze nach den Parteistimmen verteilt werden. Sie zeigen aber, wieviele Leute bewusst ein Bekenntnis zu einer Partei abgeben, obwohl sie vielleicht noch Kandidierende von anderen Parteien auf ihre Liste genommen haben und so Parteistimmen an andere Parteien vergeben.
Wesentlich für die nachfolgenden Überlegungen ist, dass im Kanton Luzern 2007 deren 242'000 Personen wahlberechtigt waren, aber im Frühjahr davon nur 44.8%, im Herbst aber dann rund 53 % oder 20'000 Personen mehr an die Urne gingen.
Daraus gewinnt man folgende Erkenntnisse:
- Die CVP erzielte im Herbst 2007 in etwa dasselbe Resultat wie 1999. Trotzdem konnte der 2003 an die SVP verlorene Sitz nicht zurückgeholt werden.
- Alle Parteien haben im Herbst 2007 bei den Nationalratswahlen mehr Wählerinnen und Wähler an die Urne gebracht als im Frühjahr bei den Kantonsratswahlen.
- Die CVP konnte 2007 im Frühjahr rund 36'000 Wählerinnen und Wähler an die Urne bringen. Im Herbst waren es gar rund 37'000. Im Frühjahr ergab dies einen Wähleranteil von 37.2 %, im Herbst dann bloss noch rund 32%.
- Die SVP erzielte bei den Kantonsratswahlen 2007 das für sie seit lange schlechteste Resultat. Bei den nationalen Wahlen im gleichen Jahr machte sie haushoch am meisten Zugewinne.
Fazit: Die SVP konnte bei den Nationalratswahlen 2007 im Vergleich zu allen anderen Parteien sehr viel besser mobilisieren. Keine der anderen Parteien verlor zugunsten der SVP. Die im Vergleich zu sonst höhere Stimmbeteiligung war darauf zurückzuführen, dass offenbar eher viele Nichtwähler sich von dieser Partei haben mobilisieren lassen. Die Kunst ist also, die eigenen Wähler zu mobilisieren!
Die CVP des Kantons Luzern wird also unter folgenden zwei Prämissen ihr Ziel, den vierten Sitz zurückzuerobern, erreichen:
- Wir können wieder mindestens 37'000, besser 40'000 Wählerinnen und Wähler mobilisieren. Etwa 120'000 oder mehr Wahlberechtigte gehen nicht zur Urne. Von diesen 120'000 sollte es doch möglich sein, noch ein paar Tausend an die Urne zu bringen.
- Der SVP gelingt es nicht mehr, einen derartigen Aufreger zu produzieren, dass sie wieder über 30'000 Wähler hat. 2007 halfen ihr die Krawalle in Bern und die ganze Blochergeschichte.
Die kantonale SVP ist viel stärker als die CVP vom nationalen Erfolg der Partei abhängig. Gemäss aktuellen Umfragen verliert die SVP klar mehr als die CVP. Wir im Kanton haben die Kraft, trotz des nationalen Trendes zuzulegen. Die kantonale SVP hat dies jedoch nicht. Denn wir sind gut organisiert und können mit Handwerk den Erfolg, nämlich die Wählermobilisation erzwingen - egal was die nationalen Umfragen vorhersagen.
Deshalb: Wir haben allen Grund optimistisch zu sein!
"Wann gewinnt man Wahlen? "
Sonntag, 17-10-10 20:03
