Wahlumfrage: Wo stehen wir wirklich?
Nur ja nicht verrückt machen lassen
Gemäss einer repräsentativen Umfrage der NLZ soll die CVP bei den Kantonsratswahlen etwa 6 % Wähleranteile verlieren.
Auf die Frage: "Wenn die nächsten Kantonsratswahlen schon am nächsten Sonntag wären, welche Partei würden Sie hauptsächlich wählen?" gaben 31 % von 1'008 Befragaten an, sie würden CVP wählen. Da wir 2007 bei den Kantonsratswahlen deren 37.2 % Wähleranteil hatten, kann man aufgrund der Umfragen einen Verlust von über 6 % prognostizieren. Leider wissen wir nicht, ob die Befragten auch gefragt wurden, ob sie ihre Präferenz im Vergleich zu 2007 geändert haben.
Dass uns eine solche Umfrage nicht freut, ist klar. Aber bevor man falsche Schlüsse zieht, sollte man die Umfrage analysieren:
- Der Kanton Luzern hat rund 250'000 Wahlberechtigte. Davon geht erfahrungsgemäss nicht die Hälfte zur Urne. Bei der Umfrage wurde aber auch diese Hälfte mitberücksichtigt. Daraus kann man schliessen, dass rund 500 der Befragten keine besondere Nähe zur Politik hat. Weil bereits bei einer früheren Befragung über die nationalen Wahlen die CVP im Kanton Luzern etwas über 30% Anteile erhält, interpretieren wir das Resultat der Umfrage wie folgt: Im Kanton Luzern gibt es sicher rund 80 bis 90'000 Personen, welche eine Nähe zur CVP haben.
- Die Stimmbeteiligung ist in der Stadt/Agglomeration traditionell tiefer als auf dem Lande. Auf dem Lande haben wir aber regelmässig zwischen 40 bis 50 % Wähleranteile, in der Stadt aber nur etwa die Hälfte. Dort, wo also die Stimmbeteiligung höher ist, haben wir auch mehr Anteile. Würde man somit nur die "Urnengänger" fragen, müsste allein dieser Umstand schon Verschiebungen zu unseren Gunsten ergeben.
- Kantonsratswahlen sind stärker als alle anderen Wahlen auch Personenwahlen. Denn in zahlreichen Gemeinden entscheiden die Leute sich für jene Partei, die einen Kandidaten oder eine Kandidatn aus ihrer Gemeinde stellt. Da die CVP am meisten Kandidaturen präsentieren wird, wird sich dieser Umstand zu unseren Gunsten auswirken.
- Die kleinen Parteien nehmen nicht in allen Wahlkreisen teil. Die Sympathisanten dieser Parteien bleiben entweder zu Hause oder wählen eine andere Partei. Die Jungparteien sind umgekehrt nicht berücksichtigt. Ältere Menschen gehen mehr zur Urne. Und unter ihnen haben wir offenbar signifikant mehr Anhänger. Auch diese Faktoren werden sich eher zugunsten der CVP auswirken.
- Prozentzahlen sind sehr relativ. Entscheidend ist die Wahlbeteiligung. 2007 holten wir mit 36‘000 Wählenden im Frühjahr 37.2 %, im Herbst ergaben dann 37‘000 Wählende bloss 32 %. Es gingen nämlich etwa 20‘000 Leute mehr zur Urne, und ¾ davon wählte SVP. Wir haben erklärt, 40'000 Wählende zu haben. Gehen deren 120'000 Personen zur Urne, haben wir einen Anteil von 30%. Gehen aber nur 100'000 zur Urne, dann liegen wir bei 40%. Entscheidend ist also, wer am meisten seiner Sympathisanten zur Urne bringt.
- Wir richten unsere ganze Kampagne darauf, unsere eigenen Leute an die Urne zu bringen. Unser Ziel ist zu mobilisieren, nicht bei anderen Parteien abzuwerben. Dabei haben wir entscheidende Vorteile: 1. Wir haben eine gute Adressdatei – keine andere Partei hat über 10‘000 Adressen in der Kartei. 2. Wir haben die beste Organisation, weil wir überall mehr oder weniger funktionierende Ortsparteien haben. 3. Wir sind medial stärker präsent als andere Kantonalparteien.
Fazit: Lassen wir uns nicht verrückt machen. Die Wahlen gewinnen bekanntlich nicht jene, welche bei den Umfragen gut abschliessen, sondern jene, welche möglichst viele Listen in die Urnen bringen. Und letzteres können wir, das haben wir 2007 bewiesen und das werden wir 2011 beweisen.
Die Ergebnisse der Umfrage lösen bei den Exponenten anderer Parteien wahrscheinlich auch keine besondere Freude aus.
- GLP/BDP: Sie haben als New-Comer sicher einen gewissen Vorteil. Allerdings ist es noch häufig so: Die Zustimmung im Grundsatz schwindet dann schnell, wenn man sieht, wer kandidiert. Wie erwähnt werden diese Parteien nicht in allen Wahlkreisen antreten. Kantonal wird somit weder GLP noch die BDP ihr vorausgesagtes Resultat erreichen.
- SVP: Diese Partei ist völlig unberechenbar, weil die Mobilisation unterschiedlich ist. 2007 hatte sie bei den Frühlingswahlen bloss 18‘000 Wählende, das waren fast 2‘500 weniger als vor vier Jahren. Bei den nationalen Wahlen kommt sie auf rund 27‘000 (1999 und 2003) – Ausnahme 2007: 32‘000. Die SVP-Wählerschaft lässt sich über nationale Themen mobilisieren. Der Zuwachs von bloss 2.5 % auf Basis des für die SVP historisch schwachen Resultates von 2007 ist also sicher nicht das, was man sich auf dieser Seite erhofft hat.
- FDP: Die FDP ist neben uns die zweitbeste Kantonalpartei bezüglich Organisation. Sie wird ihr Wählerpotential ähnlich wie wir deshalb besser als andere ausschöpfen mit dem Ergebnis, dass sie konstant bleiben werden.
- SP: Diese Partei ist unter den Jungen beliebter. Ihre Krux ist und bleibt: Die Jugend geht weniger an die Urnen.
- GB: Die Grünen überraschen eher negativ. Offenbar schadet den Grünen die Existenz der Grünliberalen mehr als ursprünglich angenommen.
